EIN TAG ZUM VERGESSEN

SC Weiche Flensburg 08 – FC Teutonia 05 Ottensen 0:3 (0:1)

Erstes Heimspiel des Jahres, letzte Nachholpartie, Premierenauftritt des FC Teutonia in Flensburg ... die Spitzenbegegnung der Nord-Gruppe der Regionalliga Nord hatte einige Attribute zu bieten, die nach dem Schlusspfiff aber alle keine Rolle mehr spielten. Der SC Weiche Flensburg 08 kassierte am Samstagnachmittag vor 500 Zuschauern im Corona-bedingt damit ausverkauften Manfred-Werner-Stadion bei eher milden Temperaturen gegen den FC Teutonia 05 Ottensen eine herbe 0:3-Niederlage. Unsere Mannschaft konnte somit weder sich für die 0:1-Hinspielschlappe revanchieren noch zwei Spieltage vor Abschluss der Hauptrunde die Tabellenführung auf Holstein Kiel II ausbauen. Es war sogar die höchste Liga-Heimpleite seit dem 19. Oktober 2013, als der damalige ETSV Weiche gegen den Hamburger SV II mit 2:6 den Kürzeren gezogen hatte. Durch den Sieg gelang dem Hamburger Stadtteilverein ein wichtiger Schritt zur Qualifikation für die Meisterrunde. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Gäste-Trainer Dietmar Hirsch, der von einem „hochverdienten Sieg“ und von „unheimlich viel Leidenschaft“ sprach, die seine Mannschaft an den Tag gelegt habe. Unser Verantwortlicher Thomas Seeliger hingegen zeigte sich sehr enttäuscht: „Wir haben uns Chancen erspielt, aber keinen gemacht. Die Niederlage ist sehr bitter. Es war heute wie ein Pokalfinale. Nächste Woche haben wir wieder ein Pokalfinale und die Chance, es besser zu machen.“

Gegenüber dem Gastspiel in Heide vor einer Woche (2:1) veränderte Thomas Seeliger die Startelf auf drei Positionen. Für Torhüter Casper Mols (nicht im Kader), den verletzten Ilidio Pastor Santos (Innenbandanriss, mögliche Ausfallzeit sechs Wochen) und Noel Kurzbach (Bank) liefen Florian Kirschke, Patrick Thomsen und Kevin Njie auf. Insgesamt ergab sich eine etwas defensivere Grundordnung mit nur zwei echten Spitzen, während Yves Mfumu hängend aus dem Mittelfeld auf der rechten Seite agierte. Nach dem 0:3-Rückstand wurden die offensiveren Kevin Schulz für Finn Wirlmann und Noel Kurzbach für Yves Mfumu eingewechselt. Es folgten Regionalliga-Debütant Nathanael Elsler, der den angeschlagenen Marcel Cornils (Physio Johannes Outzen nach dem Spiel: „Wir müssen sehen. Er hat einen Schlag auf den Fuß bekommen.“) ersetzte, und schließlich Florian Meyer für Dominic Hartmann. Zum Spieltagskader gehörten zudem Raphael Straub (Tor), Malte Petersen, Bjarne Schleemann und Jonas Walter. Hingegen waren neben dem verletzten Ilidio Pastor Santos und dem erkrankten Christopher Kramer (Magen-Darm-Infekt) auch Torwart Casper Mols sowie Nahne Paulsen, Brian Jungjohann, Nils Jungehülsing und Nico Empen nicht im Kader.

Auf Teutonia-Seite gaben gleich drei der sieben Winterzugänge in der Anfangsformation ihr Debüt: Torhüter Bennett Schauer (vom Hamburger SV gekommen), Innenverteidiger Tjorben Uphoff (Alemannia Aachen) und Mittelfeldspieler Ridel Varela Monteiro (Union Fürstenwalde). Nach einer bewegenden Erinnerung an den Ende des vergangenen Jahres verstorbenen Weiche-Fan und -Unterstützer Rainer Germer ging das Spitzenspiel mit viel Tempo los, wobei die Gäste zunächst dominant auftraten und Eindruck hinterließen. Kevin Weidlich aus nächster Nähe (5.) und Mats Facklam aus der Distanz (8.) waren aber nicht erfolgreich. Die Gastgeber mussten erst realisieren, dass der Kontrahent schon richtig losgelegt hatte. Dann allerdings hatte unsere Mannschaft nach Kopfballverlängerung von Jonah Gieseler mit dem Solo-Lauf von Marcel Cornils über die linke Seite gleich eine Riesenchance. Unser Stürmer behielt selbst im Fünfmeterraum das Runde am Fuß, brachte die Kugel aber nicht unter, den Nachschuss setzte Yves Mfumu am zweiten Pfosten rechts vorbei (10.). Und Jonah Gieseler hatte die nächste gute Gelegenheit, doch den Schuss aus Nahdistanz lenkte Torhüter Bennett Schauer noch klasse um den Pfosten (15.). Erneut parierte der HSV-Zugang im Teutonia-Tor stark, als es über Jonah Gieseler und Patrick Herrmann über rechts schnell ging. Die Eingabe fand Marcel Cornils, der vom Fünfmeterraum an der Fußabwehr des Schlussmannes scheiterte (20.). Auch bei den zwar schön anzuschauenden, aber zu wenig druckvollen und zu zentralen Abnahmen von Yves Mfumu (abgefälscht, 20.) und Torge Paetow aus der Drehung (26.) war Bennett Schauer sicher zur Stelle. Dazwischen hatte ein robuster Körpereinsatz von Dominic Hartmann gegen Gianluca Przondziono im Weiche-Strafraum für Aufregung bei den Gästen gesorgt, die dafür gern einen Strafstoß gehabt hätten (24.).

Nachdem sich unsere Mannschaft demnach gut in die Partie gekämpft hatte, folgte eine Viertelstunde ohne große Höhepunkte in den Strafräumen. Beide Mannschaften kämpften verbissen. Das hohe spielerische Niveau der Anfangszeit konnte so nicht mehr gehalten werden. Doch ehe die Partie sich gänzlich geräuschlos in die Pause verabschiedet hätte, waren die Gäste noch zweimal da. Eine Linksflanke verpasste Mats Facklam im Zentrum nur knapp (40.), und wenig später war es dann passiert. Fabian Istefo, eingesetzt von Kevin Weidlich, konnte relativ ungestört durch die Flensburger Hälfte laufen und zog aus gut 22 Metern ab. Abgefälscht von Patrick Herrmann schlug der tückische Aufsetzer im linken unteren Eck, unerreichbar für Florian Kirschke, ein (41.). Die Gäste lagen zur Pause durchaus etwas glücklich vorn.

Nach dem Seitenwechsel fand der SC erst einmal keine Mittel, um Druck aufzubauen. So waren die Hamburger besser in der Partie. Gegen den frei durchgebrochenen Mats Facklam konnte Florian Kirschke noch stark parieren (52.). Als dann Mats Facklam sich nach einem langen Ball im Laufduell gegen Torben Rehfeldt behauptete und erneut an Florian Kirschke scheiterte, hatte der Center diesmal das Glück, dass der Abpraller direkt vor seinen Füßen landete. Er versenkte die Kugel, bedrängt vom zurückeilenden Patrick Herrmann, zum 0:2 (58.). Und Teutonia gelang der Doppelschlag: Nach Querpass von Besfort Kolgeci tauchte Fabian Istefo, der die Aktion an der Mittellinie auch eingeleitet hatte, völlig blank im Zentrum auf, und der Nullfünfer brachte die Kugel aus elf Metern an Florian Kirschke vorbei zum 0:3 ins Netz (60.). Damit nahm das vierte sieglose Heimspiel in Folge immer klarere Konturen an.

Der Doppelschlag der Gäste saß. Weiche reagierte fast ratlos und doch wütend, aber trotzdem hatte unsere Mannschaft in der übrigen halben Stunde durchaus die Möglichkeiten, um das Resultat deutlich freundlicher zu gestalten. Ungenutzt blieb der indirekte Freistoß im Strafraum der Nullfünfer, nachdem Bennett Schauer den Ball zu lange in den Händen gehalten hatte (61.). Jonah Gieseler hatte mit einem Kopfball auf die Latte nach Eckstoß von Dominic Hartmann von der rechten Seite Pech (64.). Der Gäste-Schlussmann war stark zur Stelle und rettete mit Hilfe des rechten Pfostens, als Patrick Herrmann aus acht Metern von halbrechts zum Abschluss kam (77.). Und die beste Tat verrichtete der Neuzugang von Teutonia, als er einen Strafstoß parierte. Zuvor hatte er einen tückischen Distanzschuss des Debütanten Nathanael Elsler von knapp außerhalb des linken Strafraumecks nicht festhalten können, im nachfolgenden Gerangel wurde Jonah Gieseler von Marcus Coffie von hinten gefoult (82.). Doch Torge Paetow scheiterte mit seinem Strafstoß nach halbrechts an Bennett Schauer (83.). Der FC Teutonia verteidigte mit Glück und Geschick alles weg und hätte bei einer großen Chance von Gianluca Przondziono das Resultat sogar noch deutlicher gestalten können (80.).

Bei den Hamburger Gästen fielen Kevin Weidlich als ebenso resoluter wie spielerisch befähigter „Sechser“ und Doppeltorschütze Fabian Istefo als Mittelfeldakteur mit Drang nach vorn besonders auf. Zudem konnte sich Bennett Schauer als neuer Torhüter bei seinem Debüt im Teutonia-Tor mehrfach auszeichnen. Unsere Mannschaft hatte in Patrick Herrmann ihren besten Akteur. Ein bemerkenswertes Viertliga-Debüt gab der eingewechselte Nathanael Elsler, und auch Florian Meyer konnte nach seiner Einwechslung überzeugen.

Am kommenden Wochenende wird mit dem 21. und vorletzten Spieltag die Hauptrunde fortgesetzt. Unsere Mannschaft reist bereits am Freitag, 11. Februar 2022, ins Kehdinger Stadion von Drochtersen, wo sie ab 19 Uhr von der SV Drochtersen/Assel zum nächsten Schlagerspiel empfangen wird.

 

Weiche: Kirschke – Herrmann, Rehfeldt, Thomsen (V), Njie – Wirlmann (65. K. Schulz) – Mfumu (65. Kurzbach), Paetow (Kap./V), Hartmann (76. F. Meyer) – Gieseler, Cornils (70. Elsler). Trainer: Seeliger.

Teutonia: Schauer – Coffie (V), Uphoff, Weißmann (Kap./V), Kolgeci (72. Fazlic) – Weidlich (84. Onwuzo) – Eden, Varela Monteiro (87. Kelbel), Przondziono, Istefo – Facklam (79. Parduhn). Trainer: Hirsch.

Tore: 0:1 Istefo (41.), 0:2 Facklam (58.), 0:3 Istefo (60).

Zuschauer: 500 im (Corona-bedingt) ausverkauften Manfred-Werner-Stadion, Flensburg-Weiche.

Schiedsrichter: Theodor Potiyenko (FC Hude), hatte mit der zuweilen hitzigen Partie ordentlich zu tun, bekam sie aber letztlich mit erstaunlicherweise lediglich vier Gelben Karten (Thomsen nach Foul an Kolgeci, 17.; Paetow nach Foul an Coffie, 51./Weißmann nach Foul an Gieseler, 25.; Coffie nach Unsportlichkeit, 62.) souverän über die Runden und lag bei den wesentlichen Entscheidungen richtig.

 

Die Trainerstimmen:

Der Teutonia-Trainer, Dietmar Hirsch, meinte zufrieden: „Über die Höhe müssen wir nicht reden, aber es war ein hochverdienter Sieg. Wir haben unheimlich viel Leidenschaft und Biss gezeigt. Die erste Halbzeit war sehr offen mit Chancen auf beiden Seiten. In der zweiten Halbzeit haben wir dann zwei schnelle Tore gemacht. Wir hatten sicherlich auch Glück, dass der Strafstoß verschossen wird, aber es war ein verdienter Sieg.“ Gefragt nach der Höhe des Ergebnisses ergänzte der Ex-Profi: „Wenn man die Chancen sieht: Auch wir hatten noch einige klare Chancen. Das 3:0 ist von daher schon in Ordnung.“

Unser Trainer Thomas Seeliger wollte das Wort von einer Ernüchterung korrigieren: „Ich würde eher von einer Enttäuschung sprechen. Wir hatten uns viel vorgenommen, weil wir die Situation mit der Meisterrunde kennen. Wir sind nicht gut reingekommen ins Spiel, haben uns aber reingearbeitet. Und dann kannst Du auch mal eine der Chancen machen. Mit dem 0:1 zur Pause ist noch nichts verloren gewesen. Wir haben in der zweiten Halbzeit zwei Gegentore in kurzer Zeit viel zu leicht bekommen. Das I-Tüpfelchen war der verschossene Elfmeter. Der war symptomatisch für uns heute: Wir haben uns Chancen erspielt, aber keinen gemacht. Die Niederlage ist sehr bitter, wir müssen aber nach vorn schauen. Es war heute wie ein Pokalfinale. Nächste Woche haben wir wieder ein Pokalfinale und die Chance, es besser zu machen.“