Grandioser Flensburger Abend in Kiel

Weiche gewinnt wichtigstes Hallenturnier in Schleswig-Holstein

Der SC Weiche Flensburg 08 hat am späten Samstagabend die 23. Auflage des SHFV-LOTTO-Hallenmasters in der ausverkauften Kieler Wunderino-Arena gewonnen und so einen perfekten Start ins neue Jahr 2023 hingelegt. Als einzige Mannschaft gewann unsere Equipe vor der stimmungsvollen Kulisse von 8.659 Zuschauern all ihre Spiele. Im Finale des zuschauermäßig größten Hallenfußballturniers Deutschlands setzte sich Weiche gegen den sich im Turnierverlauf mächtig steigernden Regionalliga-Rivalen 1. FC Phönix Lübeck mit 2:0 durch. Damit konnte sich unsere Mannschaft zum insgesamt fünften Mal nach 2014, 2016, 2017 und 2018 die Krone aufsetzen und den begehrten Pokal mit nach Flensburg entführen. Spieler des Abends war Niclas Nadj. Unsere Nummer 40 wurde mit acht Treffern nicht nur als bester Torschütze, sondern zudem völlig zu Recht auch als bester Spieler des Turniers geehrt. Als bester Torhüter des Turniers, das sein Comeback nach zwei Jahren Corona-bedingter Pause erlebte, wurde Andrea Hoxha vom unterlegenen Finalisten Phönix Lübeck ausgezeichnet.

Dass trotz der fünf Siege der Turniersieg alles andere als ein Selbstgänger war, stellte Marc Böhnke heraus. Viele und selbst Ministerpräsident Daniel Günther hatten Weiche vorab auf den Favoritenthron gehoben. „Aber ein Turnier muss erst einmal gespielt werden“, meinte unser Co- und Fitness-Trainer gegen Mitternacht auf der anschließenden Pressekonferenz im vollen Medienraum der Arena. „Wir hatten einige Herausforderungen zu meistern“, so unser Ex-Kapitän, der einst selbst als Spieler den Pokal gewonnen hatte. Und in der Tat: Als unsere Mannschaft nach einem souveränen 3:0-Auftakterfolg gegen Heide im zweiten Gruppenspiel gegen den VfB Lübeck mit 0:1 in Rückstand geriet, drohte ein heikles abschließendes Gruppenfinale gegen den Titelverteidiger Todesfelde, der seine erste Partie gegen die mit ihrer Oberliga-Mannschaft angetretenen Grün-Weißen aus Lübeck ebenfalls mit 3:0 gewonnen hatte. Doch Weiche bewies trotz des lang anhaltenden Rückstands Nervenstärke. Drei Minuten und zwanzig Sekunden vor Schluss traf Kapitän Dominic Hartmann zum Ausgleich, 27 Sekunden später erzielte Niclas Nadj den Führungstreffer, und nochmals Niclas Nadj stellte 97 Sekunden vor Schluss aus spitzem Winkel auf 3:1. Weil Todesfelde den Heider SV anschließend mit 2:0 besiegte, standen die Halbfinalisten dieser Gruppe schon vor den letzten beiden Partien fest.

Und auch zwei weitere heikle Phasen meisterte unsere Vertretung, die nach der Vorrunde auf den verletzten Torhüter Philip Østerbæk und den angeschlagenen Torben Marten verzichten musste und folglich ab dem Halbfinale nur noch zu zehnt agierte. Nach dem überraschend souveränen 3:0-Sieg im abschließenden Gruppenspiel gegen Todesfelde – alle Treffer gingen auf das Konto von Niclas Nadj – stand das Halbfinale gegen Eichede auf dem Programm, und zweimal führten die Männer aus dem Süden. Den ersten Rückstand korrigierte „Turnier-Oldie“ Florian Meyer mit verwandeltem Neunmeter nach Foul an Bjarne Schleemann nur 25 Sekunden nach dem Eicheder Treffer. Knapp fünfeinhalb Minuten vor Spielende musste dann Patrick Thomsen nach einem Foulspiel für zwei Minuten vom Platz. In Unterzahl kassierte Weiche das 1:2. Doch hierauf hatte unsere Vertretung erneut die rasche Antwort: Bjarne Schleemann erzielte knapp 50 Sekunden später den Ausgleich. Niclas Nadj war es vorbehalten, unsere Mannschaft mit dem viel umjubelten Treffer zum 3:2 ins Finale zu schießen. Sieben Sekunden hatte Weiche dafür in Überzahl gebraucht, nachdem SVE-Kapitän Nico Fischer für ein Foul an Dominic Hartmann eine Zwei-Minuten-Strafe erhalten hatte.

Im Endspiel wurde der grandiose Abend des Niclas Nadj perfekt. Finalgegner Phönix hatte sich nach der 0:1-Niederlage zum Auftakt gegen Eichede mächtig gesteigert und vor allem die Tormaschine angeworfen. Nach einem 4:0 gegen Holstein Kiel – vertreten durch die U 23 des Zweitligisten – hatte Phönix gegen den tapferen Oberligisten Eckernförder SV ein Spektakel geliefert und sich mit einem 6:2-Sieg ins Halbfinale geschossen, wo gegen den Titelverteidiger aus Todesfelde, der wieder weit über 1.000 Anhänger nach Kiel gebracht hatte und die größte Fan-Unterstützung genoss, klar mit 4:1 gewonnen wurde. So standen sich die beiden besten Vertretungen des Abends im Finale gegenüber. Und Niclas Nadj sorgte mit seinem Doppelpack für den Flensburger Turniersieg.

Am Verdienst dessen wollte auf der Pressekonferenz um Mitternacht keiner der anwesenden Trainer und Verantwortlichen rütteln. SHFV-Präsident Uwe Döring meinte, er habe mit seinem Tipp nicht falsch gelegen. Sven Tramm, Trainer des als Pokalverteidiger angereisten SV Todesfelde, betonte, dass die beste Mannschaft das Turnier gewonnen habe. Und Oliver Zapel vom unterlegenen Finalisten Phönix Lübeck, meinte, es sei keine Schande, heute gegen Weiche verloren zu haben. Niclas Nadj habe den Unterschied ausgemacht, was ihn sehr freue, weil man in den vergangenen Jahren doch viel über das Kollektiv gekommen sei und diesmal ein Spieler richtig überragt habe. Der Einschätzung konnte dann auch Marc Böhnke kaum widersprechen. Unser Verantwortlicher betonte auf der Pressekonferenz zwar, dass nur drei Spieler aus dem Kader das Turnier bereits gespielt hatten, aber bei aller mannschaftlichen Geschlossenheit habe eben Niclas Nadj herausgestochen. „Alles andere wäre Augenwischerei.“

Bei Weiche war für den erkrankten Thies Richter noch Noel Kurzbach in den Kader gerückt. Den ersten Turniertreffer hatte Torben Marten gegen Heide nach zwei Minuten und zehn Sekunden erzielt. Zum 2:0 lupfte Florian Meyer, der nunmehr Rekordturniersieger ist, die Kugel clever ins Netz, ehe Patrick Thomsen nach Hackenablage von Niclas Nadj zum 3:0 traf. Seinen ersten Auftritt im Kader unserer Regionalliga-Mannschaft hatte Alton Zymeraj, der seine Aufgabe wie andere junge Spieler – etwa John Dethlefs oder der laufstarke Niklas Kurzbach – bestens erledigte. Bjarne Schleemann erwies sich speziell im Halbfinale mit dem herausgeholten Neunmeter sowie dem Treffer zum 2:2-Ausgleich als Spieler der wichtigen Momente, wie auch Kapitän Dominic Hartmann, der gegen den VfB Lübeck mit dem Ausgleichstreffer die späte Wende im Spiel einleitete. Routinier Florian Meyer blieb mit dem feinen Lupfer zum 2:0 gegen Heide und dem verwandelten Neunmeter zum 1:1 im Halbfinale gegen Eichede die Ruhe selbst und wusste später nicht wirklich, ob es nun schon sein persönlich sechster Sieg beim Hallenmasters war. Jonah Gieseler wiederum hatte stark das 2:0 im Finale gegen Phönix vorbereitet. Und von den beiden blendend aufgelegten Torhütern jubelte Jesper Heim tollkühn mit den Flensburger Fans, während sich Philip Østerbæk etwas quälen musste. „Noch hilft der Turniersieg“, meinte der Däne humpelnd mit dickbandagiertem Fuß und schmerzverzerrtem Gesicht dennoch lächelnd. Der Schrecken war im Übrigen groß, als Niclas Nadj im Endspiel zu Boden ging und behandelt werden musste. Aber unsere Nummer 40 hielt durch.

Als sich der Mannschaftsbus gut 25 Minuten nach Mitternacht auf die Heimreise nach Flensburg machte, waren nicht nur der überragende Turnierspieler und der prachtvolle Pokal mit an Bord. Auch Todesfelder Fans wollten unbedingt mit unserer Mannschaft feiern. Nach gut 60-minütiger Fahrt trudelte der Bus zwar ohne die Anhänger der Gelb-Blauen vor dem Weiche-Vereinsheim ein, aber die Mannschaft wurde dort von besonders treuen Weiche-Fans bereits erwartet, ehe es zum weiteren gemeinsamen Feiern in die Flensburger Innenstadt ging.

Den Schwung aus dem Kieler Hallenmasters gilt es mitzunehmen in die (weitere) Vorbereitung und dann in das erste Liga-Spiel, das am 28. Januar, 13.30 Uhr, vor eigenem Anhang gegen Hannover 96 II steigen wird. Bevor es soweit ist, wird auf dem Platz weiter gearbeitet. Nächster Auftritt wird das Blitzturnier mit Egen UI und Altona 93 II im dänischen Nordborg sein. In der Linak Arena (Gammel Guderup 31, DK-6430 Nordborg) geht es am kommenden Samstag, 14.01.2023, um 14 Uhr los.

 

Stimmen von der Pressekonferenz:

Uwe Döring, Präsident des SHFV: „Mit meinem Tipp Weiche Flensburg lag ich nicht falsch. Das Turnier steigerte sich spielerisch, nachdem die ersten beiden Spiele gut waren. Phönix Lübeck hat sich im Laufe des Abends sehr gesteigert. Es war eine gelungene Veranstaltung.“

Paul Kujawski, Trainer des SV Eichede: „Wir sind sehr zufrieden. Es war eine tolle Stimmung. Wir haben hinten gut gestanden. Weiche hat verdient gewonnen. Sie haben es toll gemacht. Es ist ärgerlich, dass wir uns gegen Weiche nicht zumindest ins Neunmeterschießen haben retten können, aber dennoch haben wir uns teuer verkauft. Wir können stolz auf unsere Leistung sein.“

Sven Tramm, Trainer des SV Todesfelde: „Glückwunsch an Weiche. Die beste Mannschaft des Turniers hat gewonnen. Heute haben uns einige wichtige, körperlich robuste Spieler gefehlt. Die beste Mannschaft hat gewonnen, und wir hatten die beste Fan-Unterstützung.“

Oliver Zapel, Trainer des 1. FC Phönix Lübeck: „Ich habe es nicht gern, wenn man der erste Verlierer ist. Die Enttäuschung der Jungs war groß, aber mit zunehmendem Abstand überwiegt der Stolz. Es ist keine Schande, heute gegen Weiche verloren zu haben. Niclas Nadj hat den Unterschied ausgemacht. Das freut mich sehr, dass ein Spieler so herausgestochen hat, weil es sonst sehr über das Kollektiv ging. Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft und den Staff. Wie es geschafft wurde, so viele Phönix-Fans nach Kiel zu bringen, wo wir doch sonst keine so starke Fan-Basis haben ... Vielleicht haben im Finale etwas die Körner gefehlt, weil sich die Mannschaft zuvor zu stark in einem Flow gespielt hatte.“

Marc Böhnke, als Vertreter des Trainerteams des SC Weiche Flensburg 08: „Das Hallenmasters ist ein besonderer Moment. Die Vorfreude war bei uns da und ist immer größer geworden, je näher das Turnier rückte. Man hat Lust bekommen, spätestens als die Mannschaft hier vorfuhr, war die Lust auf das Masters da. Vielen Dank für die Gratulationen. Allerdings muss ich auch sagen: Jeder hebt uns vorab schon auf den Thron. Doch ein Turnier muss erst gespielt werden. Man darf nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft heute am Start hatten. Nur drei Spieler hatten das Turnier schon gespielt. Man musste die Spieler im Vorfeld und im Turnier schon fast bremsen. Wir hatten einige Herausforderungen zu meistern. Nicht jeder hat das wohlmöglich so gesehen. Ich denke nur an die Rückstände schon gegen den VfB Lübeck und dann gegen Eichede. Wir sind über die mannschaftliche Geschlossenheit gekommen. Aber klar muss ich auch sagen, dass Niclas Nadj herausgestochen hat. Sonst wäre es Augenwischerei.“

 

Weiche spielte mit: Østerbæk, Heim – Schleemann (1 Tor), Marten (1 Tor), Gieseler, Kurzbach, Zymeraj, F. Meyer (2 Tore), Thomsen (1 Tor), Dethlefs, Hartmann (Kap./1 Tor), Nadj (8 Tore).

Die Spiele unserer Mannschaft:

Vorrunde

1. Spiel: Weiche – Heide 3:0. Tore: 1:0 Marten (3.), 2:0 F. Meyer (9.), 3:0 Thomsen (11.).

2. Spiel: Weiche – VfB Lübeck 3:1. Tore: 0:1 Jetz (5.), 1:0 Hartmann (10.), 2:1 Nadj (11.), 3:1 Nadj (12.).

3. Spiel: Todesfelde – Weiche 0:3. Tore: 0:1 Nadj (7.), 0:2 Nadj (12.), 0:3 Nadj (13.).

 

Halbfinale: Weiche – Eichede 3:2. 0:1 Grage (4.), 1:1 F. Meyer (4., Neunmeter), 1:2 Baake (9.), 2:2 Schleemann (10.), 3:2 Nadj (11.).

Finale: Weiche – Phönix Lübeck 2:0. 1:0 Nadj (4.), 2:0 Nadj (10.).

 

Die kompletten Turnierergebnisse:

Vorrunde: Weiche – Heide 3:0, VfB Lübeck – Todesfelde 0:3, Holstein – Eckernförde 1:1, Phönix – Eichede 0:1, Weiche – VfB Lübeck 3:1, Todesfelde – Heide 2:0, Holstein – Phönix 0:4, Eichede – Eckernförde 0:0, Heide – VfB Lübeck 2:1, Todesfelde – Weiche 0:3, Eckernförde – Phönix 2:6, Eichede – Holstein 2:2.

Gruppe A: 1. Weiche 9:1/9, 2. Todesfelde 5:3/6, 3. Heide 2:6/3, 4. VfB Lübeck 2:8/0.

Gruppe B: 1. Phönix 10:3/6, 2. Eichede 3:2/5, 3. Holstein 3:7/2 und Eckernförde 3:7/2.

Halbfinale: Weiche – Eichede 3:2, Todesfelde – Phönix 1:4. Finale: Weiche – Phönix 2:0.

 

Bester Torschütze: Niclas Nadj (Weiche/8 Tore). Bester Spieler: Niclas Nadj (Weiche). Bester Torhüter: Andrea Hoxha (Phönix).

 

Bild: Patrick Nawe